Elektroautos: reif für den Alltag

Immer öfter setzt die evm-Gruppe auf alternative Antriebe beim Fahrzeugkauf – auch Elektroautos ­gehören dazu.

Die Verkehrswende kommt – das steht fest. Doch noch tun sich hierzulande viele mit der Anschaffung von Elek­tro-, Erdgas- und Hybridfahrzeugen schwer. Zu teuer, zu kleiner Aktionsradius oder zu schlechte Lade- beziehungsweise Tankinfra­struk­tur lautet häu­fig die Kritik an der ­einen oder anderen Alternative. Trotzdem steigt bei der evm-Gruppe der ­Anteil der emissionsarmen Fahrzeuge konsequent. Die Ener­gie­netze Mittelrhein GmbH & Co. KG (enm), ein Tochter­unternehmen der evm, hat erst kürzlich drei Elektroautos des Modells ­Nissan E-NV200-Kastenwagen angeschafft. Werner Flöck, Fachbereichsleiter Infrastrukturelles Gebäudemanagement, und enm-Botenfahrer ­Matthias Kaeschner erklären, warum sie schon heute oft eine gute Alternative sind.

evm aktuell: Warum setzen Sie in Ihrem Bereich auf E-Fahrzeuge?

Werner Flöck: Weil die Zeit reif dafür ist. Natürlich sehen wir uns in einer Vorreiterrolle mit Vorbildfunktion. Das allein hätte aber nicht für die Entscheidung gereicht. Weil wir Ökostrom laden, fahren wir emissionsfrei. Dies wirkt sich gerade bei den Botenfahrten durch die Stadt positiv aus. Darüber hinaus liegen die Betriebskosten spürbar unter denen eines Diesels. Nicht nur, weil wir die Antriebsenergie günstig beziehen, sondern vor allem, weil viel weniger Wartung nötig ist.

Leise aber zügig – so lässt sich das Fahrgefühl in ­einem E-Auto bezeichnen. Außer Wind- und Abrollgeräuschen ist nichts zu hören. Trotzdem zeigt der Lieferwagen – wenn es denn unbedingt sein soll – an der Ampel fast jedem Sportwagen die Rücklichter.

Woher wissen Sie das? Die Fahrzeuge sind doch erst gut zwei Monate im Einsatz.

Werner Flöck: Diese Vorteile sind konstruktionsbedingt. Ein E-Auto kommt mit viel weniger beweglichen Teilen aus, was den Verschleiß deutlich reduziert. Ölwechsel fallen schlicht weg. Im Grunde braucht ein E-Fahrzeug nur ab und zu neue Reifen und eine Überholung der Bremsen. Und die halten länger als bei Autos mit Verbrennungsmotor.

Warum?

Werner Flöck: Weil die Rekuperation große Teile der Bremskraft liefert. Das heißt: Wenn ich vom Gaspedal gehe, setzt die Rekupera­tion ein. Der Motor wird zum Generator, erzeugt Strom und lädt so die Akkus. Wir gewinnen also beim Bremsen immer ein bisschen Energie zurück. Das verlangsamt das Auto, wie man es von der Motorbremse kennt, und schont Bremsbelege und Scheiben.

Werner Flöck treibt in seinem Bereich schon heute die Elektrifizierung des Fuhrparks voran.

Klingt, als müsse man das Fahren im E-Auto neu lernen …

Matthias Kaeschner: Auf keinen Fall. Eigentlich ist es wie in einem Automatikfahrzeug. Es braucht nur etwas Gefühl im Gasfuß. Zum einen, um das Auto schön gleichmäßig dahinrollen zu lassen, zum anderen bei der Beschleunigung. Mein neuer Lieferwagen mit seinen 109 PS geht an der Ampel ab wie ein Sportwagen. Daran muss man sich ein bisschen gewöhnen.

Werner Flöck: Darüber hinaus lehrt Sie ein Elektroauto, so zu fahren, wie es eigentlich auch mit einem herkömmlichen Antrieb sinnvoll wäre: vorausschauend. Zu diesem Zweck bietet es ein paar nützliche Hilfen.

Die da wären?

Matthias Kaeschner: Die große Anzeige hinter dem Lenker informiert nicht nur über die Geschwindigkeit. Eine Balkengrafik visualisiert den jeweiligen Stromverbrauch. Weiße Striche nach rechts zeigen die aktuellen Verbrauchswerte. Wandert der Balken nach links, wird er grün. Das bedeutet dann, dass das Auto Energie zurückgewinnt. Wer sich an diesen Anzeigen orientiert, hat schnell raus, wie sich das Auto sparsam fahren lässt. Darüber hinaus liefert auch das große Display in der Mittelkonsole auf Wunsch jede Menge Daten. Etwa, wie sich die Klima­anlage oder andere Systeme auf die Reichweite auswirken. Oder auch den durchschnittlichen Verbrauch pro 100 Kilometer.

Matthias Kaeschner legt täglich rund 60 Kilometer für Botenfahrten in einem E-Auto zurück.

Lenkt das nicht ab?

Matthias Kaeschner: Nein. Mich jedenfalls nicht. Der Balken im Tacho ist so auffällig, dass ich ihn aus dem Augenwinkel beobachten kann. Und die Infos aus dem Display schaut man sich sowieso besser im Stand an.

Wofür nutzen Sie das Fahrzeug im Arbeits­alltag eigentlich genau?

Matthias Kaeschner: Für klassische Botenfahrten. Ich bringe die Post zu den Standorten der evm-Gruppe in Koblenz, hole deren Post ab, liefere Verbrauchsmaterial und bringe einem Kindergarten das Mittagessen aus unserer Kantine. Ich bin also im Wesentlichen in der Stadt unterwegs und lege täglich um die 60 Kilometer zurück. Hier spielt das E-Auto meiner Meinung nach seine Stärken am besten aus. Wenn ich an der Ampel stehe, läuft kein Motor. Und weil wir ohnehin emissionsfrei unterwegs sind, fallen natürlich auch die besonders hohen stop-and-go-typischen Schadstoffbelastungen weg.

Werner Flöck: Die beiden anderen Nissans haben einen größeren Aktionsradius. Einer meiner Mitarbeiter fährt damit die weiter entfernten Standorte an, also Bad Neuenahr-Ahrweiler, Remagen, Sinzig, Mayen, Cochem, Dierdorf oder Westerburg. Da wird es mit der Reichweite von etwa 160 Kilometern schon mal eng. Wir sind aber flexibel genug, um die Touren so zu planen, dass die Akkuladung ausreicht, um wieder heimzukommen. Das andere Fahrzeug nutzen wir für Arbeiten an der Haustechnik in unseren Liegenschaften. Deshalb haben wir diesen E-NV200 mit einem variablen Einbausystem für Metall­bauer und Elektriker ausgestattet. Auch hier sorgt eine gute Planung dafür, dass die Kollegen mit einer Akkuladung auskommen.

Der Nissan E-NV200 versorgt den Menschen hinter dem Steuer mit vielen nützlichen Informationen, den Verbrauch betreffend. Das unterstützt eine stromsparende Fahrweise.

Stichwort laden. Noch gibt es wenig Ladesäulen. Wie bekommen Sie den Strom in die Batterien?

Werner Flöck: Meist laden wir ganz konventionell mit einer normalen Steckdose, weil wir über Nacht laden können. Wenn es schneller gehen soll, nutzen wir natürlich eine unserer Wallboxen an den verschiedenen Standorten. Deswegen haben wir inzwischen auch Typ-2-Ladekabel. Damit könnten wir auch unterwegs an einer Ladesäule einmal schnell nachtanken.

Klingt als würden Sie den Umstieg auf ein E-Fahrzeug empfehlen?

Matthias Kaeschner: Ja. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht, bin allerdings gespannt, wie sich der kalte Winter auf die Reichweite auswirkt. Für mich sehe ich da zwar kein Problem, aber es interessiert mich einfach.

Werner Flöck: Ich halte E-Autos immer dann für die bessere Alternative, wenn sie die geforderten Kriterien erfüllen. Auch preislich liegen die Fahrzeuge im Rahmen. Dank der aktuellen Förderungen von Staat und Herstellern sind die Autos wirklich erschwinglich. Unser E-NV200 kostet über den Daumen 24.000 Euro. Das müssen Sie auch für einen vergleichbaren Diesel hinlegen.