L- und H-Erdgas: Wissenswertes zur Umstellung

In weiten Teilen Deutschlands müssen in den kommenden Jahren Millionen von Erdgasgeräten an eine andere Erdgasqualität angepasst werden.

Eine sichere, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung steht für die evm-Gruppe schon immer an erster Stelle. Da die deutschen Erdgasquellen nur für ein Zehntel des bundesweiten Bedarfs ausreichen, beschaffen die heimischen Erdgaslieferanten seit mehreren Jahrzehnten Erdgas aus verschiedenen Ländern und Kontinenten. Die Herausforderung daran: Erdgas strömt mit unterschiedlichen Energiegehalten aus den Bohrlöchern. In Deutschland und den Niederlanden wird niederkalorisches L-Gas (low calorific gas) gefördert, in Russland oder Norwegen hochkalorisches H-Gas (high calorific gas). So entstanden in Deutschland zwei getrennte Netze, eines für L- und eines für H-Gas. Das Netzgebiet der Energienetze Mittelrhein GmbH & Co. KG (enm) teilt sich ebenso in eine Region mit L- und eine mit H-Gas.

Ausreichend Reserven aus anderen Quellen

Auf alle L-Gas-Kunden kommt nun eine Umstellung zu. Denn die Erdgasvorkommen hierzulande gehen langsam zur Neige, und die Niederlande haben angekündigt, ihre Liefermengen drastisch zu drosseln und ab 2030 kein Erdgas mehr zu exportieren. Die deutschen Erdgaslieferanten müssen deshalb den Bedarf künftig aus anderen Quellen decken – etwa aus Russland, Norwegen oder Großbritannien. An sich kein Problem – denn weltweit ist mehr als genug Erdgas verfügbar. Allerdings handelt es sich dabei um Erdgas in H-Qualität. Deshalb gilt es jetzt, das L-Gasnetz nach und nach auf H-Gas umzustellen. Auch im Netzgebiet der enm.

Umstellung in der Region ab 2021

Die enm hat schon 2015 mit den Planungen begonnen und bereitet in den kommenden Jahren – bis 2023 – ihr Erdgasnetz auf die Umstellung vor. Doch das allein reicht nicht. Auch zahlreiche Heizungsanlagen, Erdgasöfen sowie Warmwasserbereiter müssen angepasst werden. Bei vielen Systemen braucht es Fachleute, die Düsen austauschen, neue Luftblenden anbringen und unter Umständen die Steuerung anpassen, damit die Anlagen das methanreichere H-Gas optimal verbrennen. „Im enm-Netzgebiet sind insgesamt rund 210 000 Geräte betroffen“, weiß Dr. Andreas Hoffknecht, technischer Geschäftsführer der enm. „Wir planen die Umstellung von 2021 bis 2023 und werden im Westerwald beginnen. Unsere Kunden erhalten alle frühzeitig eine Benachrichtigung, wann wir zu ihnen kommen – sie müssen sich also um nichts kümmern.“

Neue Heizung lohnt sich in vielen Fällen

Betreiber älterer Heizungen sollten noch vor der Umstellung in Erwägung ziehen, sich für ein modernes Erdgasgerät zu entscheiden. Das erleichtert nicht nur die Umstellung, sondern spart auch Geld. Denn neue Anlagen be­nötigen ­weniger Brennstoff, sodass sich die Anschaffungskosten bereits innerhalb weniger Jahre amortisieren. Zahlreiche neue staatliche Förderprogramme, gepaart mit Zuschüssen regionaler Energiedienstleister wie der evm, unterstützen bei der Investition. Auch bei der Beratung zum passenden Gerät helfen die Energieexperten der evm gern weiter.

Der Preis bleibt gleich

Kosten für die sogenannte Marktraumumstellung entstehen enm-Kunden nicht, sofern ihre Geräte anzupassen sind. Die Ausgaben dafür werden über die Netzentgelte auf alle erdgasversorgten Haushalte in Deutschland umgelegt. Weil H-Gas einen höheren Brennwert hat, benötigen Kunden geringere Mengen des umweltschonenden Brennstoffs, um den gleichen Heizeffekt wie mit L-Gas zu erzielen. Sie werden nach der Umstellung weniger Kubikmeter auf ihrem Zähler ablesen. Berechnet wird Erdgas in Kilowattstunden (kWh), deshalb bleibt der Erdgaspreis der gleiche.