Smart Meter: Die Zukunft zählt intelligent

In Kürze startet in Deutschland ein riesiges Infrastrukturprojekt: die Umstellung auf digitale Zähler. Im Interview berichtet Benjamin Deppe Wissenswertes.

evm aktuell: Bislang haben mechanische Stromzähler gute Dienste geleistet. Warum stellt nun eine ganze Branche auf digitale Messeinrichtungen um?

Benjamin Deppe: Digitale Messeinrichtungen bilden einen wesentlichen Bestandteil der politisch getriebenen Energiewende. Die evm-Gruppe forciert den Umbau der Energieversorgung in der Region und setzt sich aktiv für mehr erneuerbare Energien ein. Doch auch unsere Wind- und Photovoltaikanlagen erzeugen Strom nicht immer genau dann, wenn wir ihn brauchen. Wir müssen also versuchen, Produktion und Verbrauch so gut es geht aufeinander abzustimmen. Das setzt Systeme voraus, die in kurzen Intervallen Verbrauchsdaten liefern.

Die Energiewende läuft ja nun schon ein paar Jahre. Warum passiert erst jetzt etwas in dieser Richtung?

Je nachdem wie stark der Wind bläst oder die Sonne scheint, schwankt auch die Einspeisung des Ökostroms in unser Netz – eine Herausforderung für den störungsfreien Netzbetrieb. Bislang bekommen wir als Netzbetreiber das alles noch gut in den Griff. Doch je weiter dieser Anteil steigt – und das wird er ja noch kräftig –, desto teurer und aufwendiger wird diese Aufgabe. Das hat die Politik erkannt und mit dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende wichtige Rahmenbedingungen geschaffen, um die Verbraucher in die Energiewende aktiv einzubinden. Das Messstellenbetriebsgesetz ist ein Teil davon, und damit der Energiewende. Es gilt seit September 2016 und regelt unter anderem, bei wem bis wann welche Art von digitalen Zählern eingebaut werden. Damit bildet es die Grundlage für eine digitale Infrastruktur im Messwesen.

Ein gutes Stichwort: Welche Zähler erhalten denn Privatkunden – und wann?

Die meisten Privatkunden können sich erst einmal entspannt zurücklehnen. Für einen typischen Vierpersonenhaushalt mit ­einem Jahresverbrauch um die 4.000 Kilowattstunden (kWh) genügt bis 2032 eine kleine Variante – also moderne Zähler ohne Kommunikationsmodul. Sie zeigen den Stromverbrauch zwar digital an, tauschen aber keine Daten mit den berechtigten Stellen aus. Anders als die mechanischen Modelle verfügen sie aber über Speicher. Dadurch lässt sich der Stromverbrauch einfacher ermitteln. Kunden können so mit wenigen Klicks den Verbrauch eines bestimmten Zeitraums auslesen.

Und was sind Smart Meter?

So heißen im allgemeinen Sprachgebrauch alle intelligenten Messsysteme mit einem Smart-Meter-Gateway, also einem Kommunikationsmodul. Sie lassen sich dann aus der Ferne auslesen, empfangen aber auch Daten – etwa Informationen, ab wann günstigere Tarife gelten. Auch kann man damit Energietechnik steuern, darunter Nacht­speicherheizungen, Photovoltaikanlagen oder Elektrofahrzeuge. Wichtig zu wissen: Das Modul erfüllt höchste Sicherheitsstandards an Datenschutz und Datensicherheit – strenger als beim Online-Banking.

Und wer erhält solche Zähler und ab wann?

Erst wenn für die intelligenten Messsysteme alle rechtlichen und technischen Vorausset­­zungen erfüllt sind, startet das Großprojekt, voraussichtlich 2018. Im ersten Schritt betrifft das nur Kunden mit einem Jahresverbrauch von mehr als 10.000 kWh. Wer weniger als 10.000 kWh, aber mehr als 6.000 kWh verbraucht, ist ab 2020 an der Reihe. Auch Erzeuger ab 7 kW installierte Leistung werden nach und nach in die Pflicht genommen. Kunden unter 6.000 kWh erhalten moderne Zähler ohne Kommunikationstechnik.

Welche Vorteile haben die intelligenten Messsysteme für Kunden?

Solche Messsysteme bieten die Möglichkeit, den Stromverbrauch über ein Jahr, einen Monat, einen Tag oder in deutlich kürzeren Zeiträumen anzuzeigen. Das hilft beim Stromsparen und ermöglicht es, künftig angebotene Niedrigtarifzeiten zu nutzen, um die Ener­giekosten zu verringern. Beispielsweise, wenn viel Strom aus Sonnenenergie ins Netz eingespeist wird. Außerdem kann die evm-­Gruppe dadurch in Zukunft Produkte mit variablen Preisen anbieten, die immer dann Vorteile mit sich bringen, wenn besonders viel Strom zur Verfügung steht.

Wann beginnt die Umstellung im Netzgebiet der enm?

Aktuell befinden wir uns noch in der vom Gesetzgeber vorgegebenen Übergangszeit. Wenn wir von den Messsystemen überzeugt sind, legen wir los. Unsere Kunden erfahren rechtzeitig, wann der Umbau bei ihnen ansteht.

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